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11.04.2017

„Wir müssen in Berlin aufpassen, dass das Ursprüngliche nicht verloren geht“

Besuch bei Fapack in Berlin


„Wir müssen in Berlin aufpassen, dass das Ursprüngliche nicht verloren geht“

Feinkartonagen - schon die Bezeichnung klingt wunderbar. Wir denken an eine Verpackung,  die Lust auf das macht, was sich darin verbirgt. Bei FAPACK in Berlin-Neukölln haben wir erfahren, wie diese hergestellt werden. Wir haben auch erfahren, wie man als Familie erfolgreich ein Unternehmen führt und mit welchen Schwierigkeiten Manufakturen in Berlin zu kämpfen haben.

Bei Fapack in der Ederstraße stehen zum Teil 100 Jahre alte Maschinen in den Produktionshallen, die laufen wie am ersten Tag. Es wird gefalzt, geklebt und geprägt. Mit viel Fingerspitzengefühl entstehen hier Verpackungsunikate, die so besonders sind, dass selbst Regisseur Wes Anderson sie für seinen Film „Grand Budapest Hotel“ und die dortige „Konditorei Mendl“ unbedingt haben wollte.


Prokuristin Marcia Behrens ist im elterlichen Betrieb groß geworden und 2006 dann voll mit eingestiegen. „Meine Eltern haben mir die Entscheidung überlassen, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Das wichtigste für sie war, dass ich hinter dem stehe, was ich tue. Das war wahrscheinlich genau der richtige Weg.“ Obwohl sie heute vor allem Aufgaben der Geschäftsführung übernimmt, steht Marcia Behrens immer noch gerne in der Produktion und bedient die Maschinen.


In den Familienbetrieb mit einzusteigen und mit Vater und Mutter zusammenzuarbeiten ist eine mutige Entscheidung. Nicht selten hängt in anderen Unternehmen dann der Familiensegen schief. „Damit eine Zusammenarbeit überhaupt funktionieren kann sind Ehrlichkeit, Vertrauen und Respekt total wichtig. Mein Vater ist sehr gut darin, mir Dinge abzugeben. Er hatte immer volles Vertrauen zu mir und das ist in Familienbetrieben oft nicht so.“ Schon früher hat Marcia Behrens in den Schulferien ausgeholfen und ihr war früh klar, dass sie den Betrieb irgendwann übernehmen möchte: „Ich bin in meiner Familie als geradlinig und unromantisch verschrien“, lacht sie.


Fapack hat 1869 als Buchbinderei und Hutschachtelmanufaktur begonnen. Seither entstehen hier jeden Tag Verpackungsunikate für hochwertige Produkte, die eine Verpackung verdienen, die denselben hohen Ansprüchen gerecht wird. In Zusammenarbeit mit dem Kunden werden von der Schachtel über die Prägung bis hin zur Samteinlage die optimalen Möglichkeiten entwickelt: Die Verpackung soll perfekt sein und genau das widerspiegeln, was der Kunde haben möchte. „Wenn der Kunde am Ende sein individuelles Produkt in einer schönen Farbe und mit seiner Prägung in der Hand hat, gibt einem das ein tolles Gefühl!“ schwärmt Marcia Behrens.


So überzeugt Familie Behrens von ihren Produkten ist auch sie kennen die Schattenseiten des Betreibens einer Manufaktur. Am Ende bleibt die Frage, wer den Preis für die Qualität zahlen möchte. Wer Deutschland als Standort wählt, hat höhere Grundkosten und bezahlt höhere Löhne. Auch Kompromisslosigkeit bei Material und Verarbeitung kosten - und da schlägt bei vielen eben doch die „Geiz ist Geil Mentalität“ durch: „Nachhaltigkeit und Qualität sind schöne Worte, aber wenn es um den Preis geht sagen dann doch auf einmal viele: also das ist nicht mein Budget.“


Auch der Wirtschaftsstandort Berlin zeigt wenig Interesse an Förderungen von Manufakturen. „Manufakturen werden immer gelobt, nach dem Motto: Wunderbar, dass es sie gibt. Aber keiner weiß, was wirklich dahinter steckt und vor welchen Problemen wir stehen.“, bemängelt Marcia Behrens.


Berlin ist „Gründungshauptstadt“ und das liegt auch an dem dichten und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmten Unterstützungsangebot des Landes. Manufakturen bleiben hier aber außen vor. Der Schwerpunkt der Stadt liegt in der Förderung der Dienstleistungs- und Agenturwirtschaft. „Altes Gewerbe wird hier nicht besonders unterstützt. Es gibt keinen Raum mehr für Industrie und Produktion, außerdem sind die Mieten viel zu teuer. Um als Manufaktur Fördermittel zu bekommen, muss man zum Teil fünf Jahre vorausplanen, aber das ist heute eine sehr lange Zeit. Das ist mehr als Glaskugelleserei.“, so Behrens.


Die vielen historischen Höfe, die traditionell Handwerk und Gewerbe Heimat gegeben haben, werden heute von großen Immobilienkonzernen aufgekauft. Fördermöglichkeiten sind für Manufakturen kaum zugänglich. Hier ist die Berliner Politik gefragt, Angebote zu schaffen, um diesen Teil Berliner Kultur am Leben zu erhalten. „Wir müssen aufpassen, dass das, was Berlin ausmacht, das Ursprüngliche, nicht kaputt geht.“




Marcia Behrens (Mitte) mit ihrem Ehemann Christoph Behrens (links) und ihrem Vater Karl-Heinz Behrens (rechts).

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