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28.11.2017

Mit Fertigkeit und Leidenschaft

Mit welchen Herausforderungen haben Manufakturen zu kämpfen? Weshalb gibt es nur wenige Auszubildende in Manufakturberufen und wieso ist es so schwierig geeignete Fachkräfte zu bekommen? Wie kann man dem Aussterben von Manufakturberufen entgegenwirken? Wir haben mit unserem Mitglied, der Manufaktur Rotter Glas, über dieses Thema gesprochen.


Nachhaltigkeit und Qualität -  dafür stehen Manufakturen. Sie schaffen Arbeitsplätze und sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Ein großer kultureller Verdienst von Manufakturen ist der Erhalt seltener Berufe und in Vergessenheit geratene Herstellungsverfahren.


Manufakturberufe sind oft seltene und der Mehrheit unbekannte Berufe. Nicht unbegründet sind einige Manufakturberufe vom Aussterben bedroht. Berufseinsteiger und potentielle Auszubildende wissen häufig gar nicht, welche Handwerksberufe es noch gibt und was es überhaupt heißt einen solchen Beruf auszuüben. Daher unternimmt die Manufaktur Rotter Glas erste Schritte um dem entgegen zu wirken und ihr Handwerk zu vermitteln: regelmäßig besuchen Schulklassen die Manufaktur, u.a.  Klassen der Design-Schule Hamburg. Auf diese Weise können sich Schüler und  Studenten einen Eindruck vom Manufakturberuf machen, können sehen, wie in der Manufaktur gearbeitet wird und welche Fertigkeiten zu einem solchen Beruf dazugehören.


Gleichzeitig ist es für Manufakturen nicht leicht, Nachwuchs einzustellen und auszubilden. Eine der größten Herausforderungen ist die Personalplanung. Die Entscheidung, ob man überhaupt Auszubildende anstellt ist nicht so einfach zu fällen: „Die Ausbildung zum Glasschleifer dauert zwei Jahre. Dann beginnt man aber erst „Rotter“ zu lernen. Nach sieben zusätzlichen Jahren besitzt man dann genug Kunstfertigkeit und Erfahrung um neue Entwürfe zu kreieren und in Perfektion umzusetzen. Insgesamt müssen wir also  bis zu zehn Jahre im Voraus planen, wie viele Angestellte wir in Zukunft brauchen, das ist fast unmöglich“, so Unternehmerin Birgit Rotter.


Mit momentan zwei Auszubildenden muss die Manufaktur Rotter Glas also  schon heute überlegen, wie die Lage des Unternehmens in zehn Jahren aussieht. Reichen zwei Azubis aus? Wollen sie nach ihrer Ausbildung im Unternehmen bleiben? Falls nicht, kann das zu erheblichen Problemen führen. „In Norddeutschland bekommen wir kurzfristig keinen neuen Glasschleifer. Umgekehrt gilt leider auch: Wenn unsere Auftragslage schlecht ist und wir die Auszubildenden nicht übernehmen können, stehen diese ohne Job da und werden hier in der Region auch nicht so schnell einen neuen finden. Es gibt nicht viele Manufakturen für Glasveredelung hier in Schleswig-Holstein“, erzählt uns Birgit Rotter. Alle Manufakturen gebündelt an einem Standort - wäre das vielleicht eine Lösung für die Probleme der Manufakturen? Sich gegenseitig mit Fachkräften aushelfen, bei Krisen unterstützen und auf diese Weise das deutsche Kulturgut erhalten?  Ganz so einfach ist das aber leider nicht. Denn jedes Bundesland hat seine eigene Traditionen, besondere Materialien und seine regionaltypischen Manufakturbetriebe, die ihr Handwerk weiterhin in ihrem Bundesland ausführen wollen.


Dass die meisten Manufakturberufe spezialisiert sind, häufig auf ein Produkt, macht aus der Herausforderung Fachkräfte zu finden eine noch größere. „Bei uns hat sich mal ein erfahrener Glasschleifer aus Bayern beworben, denn einige Glasmanufakturen sind zu der Zeit auf Automatik und Säurepolitur umgestiegen und haben deshalb ihre Glasschleifer entlassen. Wir konnten ihn leider nicht einstellen, da er eine ganz andere Stilrichtung gelernt hat“, so Birgit Rotter.


Leider steht die Ausbildung in Handwerksberufen bei SchülerInnen auf ihrer Wunschliste aktuell oft unter den Kaufmännischen Berufen. Viele junge Leute sind von Handwerksberufen abgeschreckt. „Bekanntlich ist es oft hart und manchmal nicht möglich vom Manufakturberuf allein zu leben. Zu wenige Subventionen werden von der Regierung bereitgestellt“, erklärt Birgit Rotter. Dabei ist die Herausforderung einer schwankenden Auftragslage Alltag für Manufakturbetriebe. Ganz anders als in Deutschland werden Handwerksunternehmen in Frankreich oder Skandinavien als Kulturgut gesehen und subventioniert, damit Krisenzeiten überstanden werden können und das Kulturgut sowie die Vielfalt, die unsere Kultur bereichert, in die Welt getragen werden können. Ist es möglich dem Aussterben von Handwerksberufen auf diese Weise entgegen zu wirken?


Essenziell ist, dass Manufakturbetriebe zusammenhalten und vor der Politik eine starke Stimme bilden. Dazu hat Birgit Rotter eine ganz klare Meinung: „Zusammen können wir die Politik wachrütteln und ihr klar machen, dass es Konsequenzen mit sich zieht, Manufakturen als Arbeitgeber, Wirtschaftsfaktor und Kulturgut zu verlieren. Wir können das Denken der Gesellschaft verändern zurück von der Massenproduktion hin zur individuellen Ware; die Leidenschaft zeigen, die hinter einem Produkt steckt und auf Handwerksberufe aufmerksam machen. Wir sind Mitglied in der Initiative Deutsche Manufakturen, weil wir Manufakturen voneinander profitieren können und zusammenhalten müssen. Wem nützt ein Rotter Glas, wenn es nicht noch den passenden Teller, das passende Besteck und die passende Tischwäsche dazu gibt?“


< Jedes Glas ein Unikat
 
 

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