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28.11.2017

Jedes Glas ein Unikat

Besuch bei Rotter Glas in Lübeck


Mitten in einer hübschen Wohngegend in Lübeck, zwischen Einfamilienhäusern und Gärten befindet sich die Manufaktur Rotter Glas. Ganz unscheinbar würde sich die Manufaktur hier in die Wohnsiedlung einreihen - würde man nicht bereits im Eingang die Farben der funkelnden Gläser hervorblitzen sehen. Wie schillernde Diamanten reihen sich die Gläser nebeneinander, spiegeln das eingefangene Licht wieder und erwecken unsere Neugier. Carl Rotter gründete das Unternehmen 1948 neu in Lübeck. Nach seinem Tod übernahm Sohn Wolfgang Rotter die Firma, mittlerweile führt seine Frau Birgit Rotter das Unternehmen. Wir werden im Showroom empfangen, nebenan hört man schon die Schleifmaschinen in der Werkstatt arbeiten. Überall stehen Tabletts mit bunten, noch unbearbeiteten Gläsern. Die mundgeblasenen Rohlinge bezieht Rotter Glas aus verschiedenen Glashütten  In sorgfältiger Handarbeit werden die Schmuckstücke dann in Lübeck veredelt. Schon die  Kristallgläser sind kleine Unikate, denn sie weisen unterschiedliche Glasstärken auf. Für einen Laien sind die Unterschiede kaum sichtbar. Die Glasveredler müssen jedoch jedes einzelne Glas genau begutachten, die verschiedenen Eigenschaften erkennen und diese während ihrer Arbeit aufnehmen. Bevor der Rohling dann bearbeitet wird, ist also höchste Vorsicht geboten: Für welchen der 160 Rotter-Glas-Schliffe eignet sich der Becher? Nicht jedes Glas kann für jedes Dekor verwendet werden.


Je nach  gewünschtem Dekor bieten sich bestimmte Schleiftechniken und bestimmte Schleifsteine an. Die Dekore entstehen, indem die „Überfangbecher“ - bestehend aus einer klaren inneren und einer farbigen äußeren Glasschicht - von Hand geschliffen werden. Die farbige Glasschicht wird an der gewünschten Stelle abgeschliffen, so dass man dann durch das „freigelegte“ klare Glas hindurchsehen kann. Das Glas erhält seinen unverwechselbaren besonderen haptischen und Kaleidoskop-ähnlichen Effekt  Die Schleiftechnik dafür entwickelte Carl Rotter bereits im väterlichen Betrieb in Schlesien und ließ das sogenannte  Kugelbohr-Verfahren 1929 patentieren. „An der Kombination von polierten und matten Linien erkennt man besonders gut, dass  ein Glas in Handarbeit gefertigt wurde. Hinzu kommt, dass jeder Schleifer seine Handschrift auf dem Objekt hinterlässt. So wird jedes Stück zum Unikat“ erklärt uns Birgit Rotter. Damit die Gläser trotz Handarbeit so ähnlich wie möglich werden, sind für jedes Dekor das Muster, die Anzahl und die Platzierung der einzelnen Elemente vorgegeben.  Neue Muster und Dekore entstehen heute am Computer, manchmal auch zufällig während der Arbeit. „Durch eine Abweichung oder einen Gedankenblitz entsteht manchmal ein komplett neues Design. Daraus kann sich dann eine ganze Kollektion entwickeln.  Als Glasveredler kann man so seine Kreativität ausleben und gleichzeitig Objekte für die Ewigkeit schaffen“, schwärmt Sasha Bilgenroth von seiner Arbeit. Der Meister der Glasveredelung übt diese seit 1988 bei Rotter Glas aus.


Hinter der Manufaktur Rotter Glas stehen aber nicht nur tolle Glasobjekte. Viel Herzblut und Stolz steckt in dem was Birgit Rotter und ihre Mitarbeiter tun; das spiegelt nicht nur die familiäre Arbeitsatmosphäre wieder. Zeitgeist und Tradition, Individualität und Nachhaltigkeit treffen hier auf einander – ein Konzept, das sich auszahlt. Denn von Generation zu Generation weitergegeben, sind aus den Kunstobjekten längst Kultobjekte geworden.


Die zeitlosen Schätze lassen sich  auf der Website www.rotter-glas.de oder in  Birgit Rotters „Galerie der kleinen Manufakturen“ ARTEMANI in Lübeck betrachten. Hier wird handverlesenen Manufakturen und Künstlerateliers eine Plattform geboten. Wen die Neugier gepackt hat und wer sich selbst einen Eindruck davon machen will, wo und wie die farbigen Becher veredelt werden, kann die Manufaktur Rotter Glas aber auch direkt besuchen und den Glasveredlern über die Schultern schauen.


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